Was ist die Riester-Rente?
Die Riester-Rente ist ein privates Altersvorsorgeprodukt, das 2002 unter Arbeitsminister Walter Riester eingeführt wurde. Sie ist staatlich gefördert: Wer einen Mindesteigenbeitrag einzahlt, erhält jährliche Zulagen vom Staatund kann Beiträge von der Steuer absetzen.
Riester ist kein einheitliches Produkt, sondern ein Förderrahmen. Es gibt verschiedene Arten: Banksparpläne, Fondssparpläne, Rentenversicherungen und Wohn-Riester (für Immobilienkauf). Die Qualität und die Kosten unterscheiden sich erheblich – ein Fondssparplan (mit ETFs) ist deutlich sinnvoller als eine klassische Rentenversicherung.
Die Riester-Förderung 2026
Der Staat fördert Riester durch zwei Mechanismen: direkte Zulagen und Steuerersparnis:
| Förderart | Betrag pro Jahr | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundzulage | 175 € | Mindesteigenbeitrag (4 % des Vorjahresbruttos – Zulagen) |
| Kinderzulage (ab 2008) | 300 € pro Kind | Kindergeldberechtigung |
| Kinderzulage (vor 2008) | 185 € pro Kind | Kindergeldberechtigung |
| Berufseinsteiger-Bonus | 200 € (einmalig) | Unter 25 bei Vertragsabschluss |
| Steuerliche Absetzbarkeit | Bis 2.100 €/Jahr | Als Sonderausgaben in der Steuererklärung |
Wichtig: Steuerliche Absetzbarkeit und Zulagen werden verrechnet. Du profitierst vom höheren der beiden Vorteile – Doppelförderung gibt es nicht.
Für wen lohnt sich Riester?
| Situation | Riester lohnt sich? | Begründung |
|---|---|---|
| Familie, 2 Kinder (nach 2008) | Ja – stark | Zulagen decken fast den ganzen Eigenbeitrag |
| Geringverdiener mit Kindern | Ja | Zulage ist relativ zum Einkommen sehr hoch |
| Single, mittleres Einkommen | Eher nein | Nur 175 € Zulage, hohe Kosten fressen Vorteil |
| Gutverdiener ohne Kinder | Nein | Steuereffekt gering nach Kosten |
| Selbstständige | Nein | Nicht zulagenberechtigt |
| Beamte | Ja | Volle Zulagenberechtigung, oft günstige Gruppenverträge |
Riester-Alternativen im Vergleich
Der ehrliche Vergleich: Für die meisten Arbeitnehmer ohne Kinder ist ein ETF-Sparplan die bessere Alternative. Hier die Kernunterschiede:
Rendite
2–4 % (nach Kosten, fondbasiert besser)
~7 % historisch (MSCI World)
Flexibilität
Gebunden bis 62/67, Kündigung kostet
Jederzeit verfügbar und anpassbar
Kosten
1,5–3 % p.a. (bei Versicherungen)
0,1–0,3 % TER p.a.
Staatliche Förderung
Ja – 175–775 €/Jahr Zulagen
Nein (nur über bAV oder Rürup)
Besteuerung Auszahlung
Voll steuerpflichtig im Rentenalter
25 % Abgeltungssteuer auf Gewinne
Vererbbarkeit
Eingeschränkt
Voll vererbbar
Fazit: Riester lohnt sich 2026 hauptsächlich noch für Familien mit mehreren Kindern – hier reduzieren die Kinderzulagen den eigenen Beitrag so stark, dass die höheren Kosten aufgewogen werden. Für alle anderen: Ein kostengünstiger ETF-Sparplan ist flexibler, renditestarker und transparent.
Was wenn ich Riester kündige?
Eine Kündigung des Riester-Vertrags ist jederzeit möglich, aber kostspielig:
Förderrückzahlung
Alle erhaltenen Zulagen und steuerlichen Vorteile müssen vollständig zurückgezahlt werden – das Finanzamt stellt den ursprünglichen Zustand wieder her.
Vertragskosten bleiben
Abschlussgebühren, Verwaltungskosten und eventuelle Stornogebühren werden nicht erstattet. Bei langen Laufzeiten können diese schnell mehrere Tausend Euro betragen.
Alternative: Beitragsfreistellung
Statt zu kündigen kannst du den Vertrag beitragsfrei stellen – dann werden nur noch die Mindestbeiträge (60 €/Jahr) gezahlt. Du verlierst keine Förderung und sparst Kosten.
Mehr zur Altersvorsorge
Unser Altersvorsorge-Guide erklärt alle Optionen – Riester, bAV, ETF-Sparplan und Rürup im Vergleich.
Zum Altersvorsorge-Guide →Häufige Fragen
Kann ich Riester kündigen?
Ja – aber es kostet. Bei Kündigung musst du alle erhaltenen staatlichen Zulagen und steuerlichen Vorteile zurückzahlen. Du bekommst nur deine eigenen eingezahlten Beiträge zurück, abzüglich der Vertragskosten. In manchen Fällen hast du nach vielen Jahren so viele Kosten bezahlt, dass du sogar weniger zurückbekommst als du eingezahlt hast.
Was passiert mit dem Riester-Vertrag wenn ich meinen Job verliere?
Du kannst den Beitrag auf 60 € pro Jahr (Mindesteigenbeitrag für volle Zulage) reduzieren und trotzdem die staatlichen Zulagen erhalten. Du verlierst nur die Steuervorteile auf höhere Beiträge. Beim Bezug von ALG I oder II bist du weiterhin zulagenberechtigt.
Kann ich Riester beerben?
Im Todesfall vor Rentenbeginn können eingezahlte Beiträge + Zulagen an den Ehepartner übertragen werden (falls dieser auch einen Riester-Vertrag hat) oder werden an die Erben ausgezahlt – aber nur die Beiträge, nicht die Förderung. Im Rentenalter hängt es vom Vertragstyp ab.
Riester oder ETF-Sparplan – was ist besser?
Für die meisten Arbeitnehmer ohne Kinder ist ein ETF-Sparplan renditestärker und flexibler. Riester lohnt sich hauptsächlich für Familien mit mehreren Kindern, wo die Kinderzulagen den Eigenbeitrag stark reduzieren. Mit 2 Kindern (nach 2008) bekommt eine Familie 175 € + 600 € = 775 € staatliche Förderung pro Jahr – das macht den Unterschied.